Ansichten von Baunatal-Rengershausen Fotos © Günther Pöpperl

Stadtteil Baunatal - Rengershausen

Baunatal (2014 = 28.000 Einwohner), die größte Stadt des Landkreises Kassel, entstand durch den Zusammenschluss von sieben ehemaligen eigenständigen Gemeinden nach der Ansiedlung eines Volkswagenwerkes im Jahr 1957. Dem schnellen Aufbau des Werkes folgte eine tiefgreifende Umstrukturierung der umliegenden Dörfer. Die finanzstarke Gemeinde ALTENBAUNA schloss sich 1964 mit ALTENRITTE und KIRCHBAUNA zur Gemeinde BAUNATAL zusammen. Mit dem Anschluss der bis dahin größeren Nachbargemeinde GROSSENRITTE erhielt BAUNATAL am 1. Juli 1966 die Stadtrechte verliehen. Nach der Eingliederung von HERTINGSHAUSEN 1971 sowie von RENGERSHAUSEN und GUNTERSHAUSEN 1972 zählte Baunatal bereits 1972 20.000 Einwohner. Nach der Stadtgründung galt es, neben dem Bau von Wohnungen für die VW-Mitarbeiter, städtische Strukturen aufzubauen, aber auch das Eigenleben der sieben Stadtteile zu fördern.

Geschichte von Rengershausen

1159 Rengershausen wird als „Reingozzeshusen“ in einer undatierten Urkunde des Klosters Hasungen erstmals urkundlich erwähnt, die Abt Hildebold von Hasungen zwischen 1154 und 1159 ausstellte. Weitere Urkunden bezeugen, dass während des Mittelalters Adlige und Geistliche die Grundherren waren, und die Bauern für das Nutzungsrecht von Hof und Ländereien Grundzinsen zahlen mussten.
1597 Über Jahrzehnte wütete die Pest in den Baunatalgemeinden. Bei Renovierungsarbeiten der Kirche fanden Handwerker 1983 eine alte Grabplatte aus dem Jahr 1597 für die verstorbenen Mädchen Catharina und Christina Andreas, zwei Töchter des Kasseler Oberrentmeisters Eitel Andreas. Vermutlich sollten die Mädchen bei Verwandten auf dem Lande in Rengershausen vor Ansteckung mit der Pest bewahrt werden. Der Grabstein befindet sich jetzt hinter dem Taufstein an der Kirchenwand. Er stammt aus der Werkstatt des berühmten Bildhauers Andreas Herber aus Kassel.
1618 – 1648 Im 30-jährigen Krieg leidet die Bevölkerung unter Überfällen, Truppendurchzügen und eingeschleppten Seuchen.
1748 Das „Lager-, Stück- und Steuerbuch der Dorfschaft Rengershausen“ enthält eine genaue Beschreibung des Dorfes. Rengerhausen zählte 154 Einwohner, die in 31 Häusern lebten. Es gab auch eine Schule und ein Hirtenhaus.
1752 Anno 1752 wurde dem Bierbrauer Johann Friedrich Pierson das Braurecht für das Gasthaus „Zum Birkenbaum“ verliehen, später „Knallhütte“ genannt. Der Name „Knallhütte“ kommt wohl daher, dass die Fuhrleute auf der Frankfurter Landstraße Vorspannhilfe vor dem Anstieg Richtung Rengershausen anforderten. Die Brauerei ist noch heute in achter Generation in Familienbesitz.
1755 Am 8. November 1755 wurde die „Märchenfrau“ Dorothea Viehmann im Gasthaus „Zum Birkenbaum“, der heutigen Knallhütte, geboren. In ihrer Kindheit hörte sie in der Gaststube ihres Vaters Johann Isaac Pierson von den durchreisenden Kaufleuten, Handwerksburschen und Fuhrleuten viele Geschichten, Sagen und Märchen, die sie fest im Gedächtnis behielt. 1777 heiratete sie den Schneider Nikolaus Viehmann und zog nach Niederzwehren. Im Jahre 1813 lernte sie die Brüder Grimm kennen. Sie übernahmen von ihr viele Märchen und alte Sagen, die sie im zweiten Band der weltberühmten „Kinder- und Hausmärchen“ veröffentlichten. Wilhelm Grimm schrieb im Vorwort „Einer jener guten Zufälle aber war es, daß wir aus dem bei Kassel gelegenen Dorfe Niederzwehren eine Bäuerin kennen lernten, die uns die meisten und schönsten Märchen des zweiten Bandes erzählte ….. Die Frau Viehmann war noch rüstig nicht viel über fünfzig Jahre alt ….. Sie bewahrte die alten Sagen fest im Gedächtnis …..“. Durch die Kriegswirren des Siebenjährigen Krieges verarmt, starb Dorothea Viehmann nach langer Krankheit am 17. November 1815.
1800 errichtete die Gemeinde anstelle der als baufällig bezeichneten Kapelle eine schlichte klassizistische Kirche, die 1832 um einen Altarraum erweitert wurde und 1839 eine Orgel erhielt.
1809 Auf dem alten Friedhof vor der Kirche steht ein Stein mit der Inschrift „Anno 1809 kämpften und starben auf unseren Feldern vier hessische Bauern für die Freiheit des Vaterlandes“. Der Gedenkstein erinnert an vier hessische Freiheitskämpfer, die 1809 in einem Gefecht zwischen königlich-westfälischen Truppen des in Kassel residierenden Königs Jerome (ein Bruder Napoleons) und hessischen Aufständischen unter Führung Oberst Freiherr Wilhelm von Dörnberg nahe der Knallhütte gefallen sind.
1912 Gründung des ersten Sport treibenden Vereins “Sportverein Adler“. Danach folgten weitere Neugründungen und Umbenennungen bis der heutige Sportverein 1952 den Namen „Turn- und Sportverein 1912 Rengershausen e.V.“ erhielt.
1936 errichtete die Henschel Flugmotorenbau GmbH einen Rüstungsbetrieb im Lohwald bei Altenbauna. Hergestellt und repariert wurden Flugmotoren für die deutsche Luftwaffe. Auf der Rengershauser Gemarkung bauten die Henschelwerke für hunderte von Zwangsarbeitern ein großes Barackenlager. Die Versorgung der Zwangsarbeiter war unzureichend, sie litten unter Misshandlung und Unterernährung. Für die Ausbildung des technischen Nachwuchses entstand die Fliegertechnische Vorschule, die nach 1945 vom amerikanischen Militär besetzt und die ab 1956 von der Bundeswehr als Kaserne genutzt wurde. Sie erhielt 1964 den Namen „Am-Loh-Kaserne“.
1958 Nach Ansiedlung des Volkswagenwerkes auf dem Gelände der ehemaligen Henschel-Flugmotorenbau GmbH war auch die Gemeinde Rengershausen von den Veränderungen betroffen. Die Bevölkerung stieg sprunghaft an. 1960 zählte Rengershausen 1.115 Einwohner, 1967 bereits 2.230 Einwohner. Für die zahlreichen Neubürger mussten neue Baugebiete erschlossen werden, u.a. für die Siedlung in der Mühlenbergstraße. Erforderlich wurde auch der Bau von öffentlichen Einrichtungen, wie z. B. eine größere Schule, das Dorfgemeinschaftshaus und ein Kindergarten.
1970 Am 1. September 1970 schlossen sich die Gemeinden Rengershausen und Guntershausen zur Gemeinde Buchenhagen zusammen, um die vielfältigen neuen Aufgaben gemeinsam planen und durchführen zu können.
1972 Durch Beschluss der hessischen Landesregierung musste Buchenhagen am 1. August 1972 im Zuge der Gebietsreform die Eigenständigkeit aufgeben und wurde in die Stadt Baunatal eingegliedert.
(Karin Meinken)

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