Elisabethkirche in Baunatal-Hertingshausen Fotos ©  Eberhard  Trogisch

Stadtteil Baunatal-Hertingshausen

Baunatal (2014 = 28.000 Einwohner), die größte Stadt des Landkreises Kassel, entstand durch den Zusammenschluss von sieben ehemaligen eigenständigen Gemeinden nach der Ansiedlung eines Volkswagenwerkes im Jahr 1957. Dem schnellen Aufbau des Werkes folgte eine tiefgreifende Umstrukturierung der umliegenden Dörfer. Die finanzstarke Gemeinde ALTENBAUNA schloss sich 1964 mit ALTENRITTE und KIRCHBAUNA zur Gemeinde BAUNATAL zusammen. Mit dem Anschluss der bis dahin größeren Nachbargemeinde GROSSENRITTE erhielt BAUNATAL am 1. Juli 1966 die Stadtrechte verliehen. Nach der Eingliederung von HERTINGSHAUSEN 1971 sowie von RENGERSHAUSEN und GUNTERSHAUSEN 1972 zählte Baunatal bereits 1972 20.000 Einwohner. Nach der Stadtgründung galt es, neben dem Bau von Wohnungen für die VW-Mitarbeiter, städtische Strukturen aufzubauen, aber auch das Eigenleben der sieben Stadtteile zu fördern.

Geschichte von Hertingshausen


1074 Die Gründungsurkunde des Klosters Hasungen von 1074/1081 verzeichnet zinspflichtige Höfe und Grundbesitz u. a. in Hertungeshusen. Damit wird Hertingshausen erstmals urkundlich erwähnt. Weitere Urkunden bezeugen, dass während des Mittelalters Adlige und Geistliche die Grundherren waren, und die Bauern für das Nutzungsrecht von Hof und Ländereien Grundzinsen zahlen mussten.
1150 Die erste bekannte Urkunde über die Ritter von Hertingshausen besagt, dass die Frau und drei Söhne des verstorbenen Eberhard von Hertingshausen eine großzügige Schenkung an das Kloster Breitenau vornehmen. Die Ritter von Hertingshausen gehörten zu einem niederen Adelsgeschlecht. Über einen Zeitraum von mehr als 500 Jahren nahmen sie an kriegerischen Auseinandersetzungen teil und standen in Diensten der hessischen Landgrafen. Sie lebten auf der Weidelsburg und der Naumburg. Ihr Stammsitz in Hertingshausen wurde von einem Verwalter oder Meier bewirtschaftet.
1347 In einer Urkunde des Klosters Breitenau wird die „Capella St. Barbara zu Hertinshusen“ erstmals erwähnt. Sie gehörte zum Pfarrsprengel des Klosters Breitenau, später zum Kirchspiel Grifte.
1536 Da Hertingshausen räumlich näher Richtung Kirchbauna liegt, wird die Gemeinde in das Kirchspiel Kirchbauna eingegliedert. Diese Zuordnung besteht noch heute.
1539 Im „Erbregister der Stadt und Ampt Cassel Anno 1539“ steht zu lesen, dass Landgraf Philipp der Großmütige Fischteiche u. a. in Hertingshausen unterhielt. Die Bewirtschaftung und Beaufsichtigung des so genannten Besser Teiches, auf Hertingshauser Gemarkung gelegen, oblag einem Landgräflichen Teichmeister. Gezüchtet wurden in der Hauptsache Forellen, Karpfen und Hechte.
1618 - 1648 Im 30-jährigen Krieg leidet die Bevölkerung unter Überfällen, Plünderungen und Krankheiten und sucht zeitweise Schutz hinter der Wehrmauer in Kirchbauna.
1689 Stirbt Ludwig Wilhelm von Hertingshausen ohne Nachkommen. Damit ist das Rittergeschlecht der von Hertingshausen in männlicher Linie ausgestorben. (Dazu Aufsatz von Gerhard Krug in der Chronik der Stadt Baunatal, Band 2, S. 249 ff. „Die Geschichte des Rittergeschlechts von Hertingshausen und seine Besitzungen“).
1745 Das „Lager-, Stück- und Steuerbuch der Dorffschaft Hertingshausen“ gibt u. a. Auskunft über Anzahl der Häuser und Menschen. Danach leben im Dorf 86 Personen in 19 Häusern. Darunter befinden sich die herrschaftliche Meierei und Hirtenhäuser.
1823 Bau des Gasthauses „Zur schönen Aussicht“ an der Steigung der viel befahrenen Alten Frankfurter Straße (heute: Kreuzung Grifter / Frankfurter Straße).
1849 Der Besser Teich wird trocken gelegt und soll in Pachtwiesen umgewandelt werden. Heute befindet sich auf dem Gelände der Verkehrsübungsplatz.
1857 Baute die Gemeinde anstelle der baufälligen Kapelle „St Barbara“ eine neue Kirche. Turm und Orgel wurden erst 1908 errichtet. Zum 150-jährigen Jubiläum 2007 erhielt das Gotteshaus den Namen Elisabethkirche.
1922 Der Turn- und Sportverein Hertingshausen 1922 e.V. wird von 13 aktiven und 12 passiven Mitgliedern gegründet. Damals zählte Hertingshausen ca. 250 Einwohner.
1964 Einweihung des Sportplatzes auf dem Gelände der ehemaligen Sandgrube und Einweihung des ersten Bauabschnittes des Clubhauses.
1968 Die Gemeindevertretung stellt einen Bebauungsplan für ein Gewerbegebiet östlich der Autobahn 49 auf. Heute befindet sich auf dem erheblich erweiterten Gelände u. a. das Ratio-Warenhaus.
1971 Zum 1. Oktober 1971 kommt es zum freiwilligen Zusammenschluss der Stadt Baunatal und der Gemeinde Hertingshausen.
(Karin Meinken)

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